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Die Kapelle des Dreifaltigkeits-Friedhofs II


Die älteste Friedhofskapelle des Friedhofskomplexes an der Bergmannstraße steht auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof II. Der unscheinbare graue Putzbau befindet sich direkt hinter dem Friedhofseingang auf der rechten Seite. Er ist im Westen, auf der Rückseite, an die Nachbarbebauung angelehnt. Obwohl die Kapelle erst 1856 entstanden ist, kann sie stilistisch noch dem Spätbiedermeier zugeordnet werden.

Das Gebäude ist in der Höhe gestaffelt, ein Gebäudeteil mit Spitzgiebel geht in südlicher Richtung in einen flacheren Trakt über. Der Giebelwand ist ein ebenfalls spitzgiebeliger Eingangsvorbau vorangestellt. Zwei Stufen führen dort zu einem Portal, dessen Bogenfeld verglast ist. Rechts neben dem Vorbau ist ein Rundbogenfenster in die Wand eingelassen, links davon zwei, wobei das äußere bereits im niedrigeren Gebäudeabschnitt liegt. In südlicher Richtung folgt ein großer vorspringender Rundbogen, dessen Sandsteinfassung sich von der rauh verputzten Wand abhebt. Er bildet den Rahmen für ein Fenster und zwei darunterliegende Türen mit Segmentbogenabschluß. Hinter der linken Tür befindet sich eine Toilette, die rechte führt in den Altarraum der Kapelle. Zwischen der letztgenannten Tür und dem Eingangsvorbau führt eine Treppe in das Kellergeschoß, in dem Leichenkeller, Schauraum und Sargaufzug untergebracht sind. Ein Eisengitter aus jüngerer Zeit sichert die Treppe. Unter dem Dach bildet ein glattes gesimsartiges Band den oberen Abschluß der Fassade.

Die außen sichtbare Zweiteilung des Gebäudes wiederholt sich im Inneren der Kapelle. Durch lisenenartige Mauerbänder wird der Raum in zwei unterschiedlich gestaltete Bereiche geteilt. Der Feierraum in dem erhöhten Bauteil ist flach gedeckt. Die Nordwand und die dem Eingang gegenüberliegende Wand sind durch Blendarkaden gegliedert. An der Ostwand wird durch einfallendes Tageslicht die Glasmalerei der Fenster sichtbar. Farbigen geometrischen Flächen sind dort Symbole der Auferstehung und des göttlichen Universums einbeschrieben. Der Raum ist ockergelb gestrichen.

Nach Süden öffnet sich der Altarraum , der Anfang des 20. Jahrhunderts seine gegenwärtige Gestalt erhielt. Der Altarbereich ist dreischiffig und so angelegt, daß der Eindruck eines Umgangschors erzeugt wird. Säulen und Pilaster aus schwarzem poliertem Granit tragen das Kreuzrippengewölbe, dessen Rippen und Bögen farblich abgesetzt sind. Jede Stütze steht auf einem verputzten Piedestal. Die Farbe der Kapitelle mit Akanthusblättern, Voluten und Engelsköpfchen entspricht denen der Sockel.

Die Südwand ist hinter dem Altar mit einem Wandgemälde geschmückt. Es stellt eine Kreuzigungsgruppe dar. Auf dem Boden vor dem Altar markiert eine steinerne Einfassung den Bereich zur Aufbahrung des Sarges während der Totenfeier. Er ist mit dem Aufzug verbunden.

Die Austattung der Kapelle ist bescheiden, doch ist alles für eine christliche Trauerfeier Notwendige vorhanden. Die Altarnische birgt einen hölzernen Kastenaltar mit zwei Balustern; mehrere Reihen klarlackierter Holzbänke dienen als Sitzgelegenheit, für die musikalische Begleitung der Feier steht ein Harmonium zur Verfügung.

An der Südseite der Kapelle wurde ein zweigeschossiges Gebäude angegliedert. Es dient gleichzeitig als Geräteschuppen und als Sakristei. Auch eine weitere Toilette ist dort untergebracht. In nördlicher Richtung, etwas entfernt von der Kapelle steht das Verwaltungsgebäude, in dem sich auch eine Dienstwohnung befindet. Der Raum zwischen Kapelle und Haus wurde nachträglich geschlossen. Auf diese Weise erhielt man eine Wartehalle, deren Flachdach von den Bewohnern der Dienstwohnung als Dachterrasse genutzt wird.

(Jutta Schäfer)


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