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Grabstätte
Erbbegräbnis Heinrich Honig

Gestaltung: nicht ermittelt (Zeichnung vorhanden); um 1881
Alter St. Matthäus-Kirchhof, 184 Q-oI


Das nahezu kolossale Wandgrab aus Sandstein wurde wohl um 1881 in Stilformen der Neurenaissance mit spätklassizistischen Anklängen errichtet. Das gängige Ädikulaschema ist hier insofern abgewandelt, als eine mächtige Attikazone mit sieben Akroterien (stilisierte Palmetten mit je einer Mohnkapsel) Grabstaette Honig den hohen Mittelteil des dreiachsigen breitgelagerten Grabmals risalitartig hervortreten läßt. Dieser ist sowohl vertikal als auch horizontal dreiteilig gegliedert und erinnert insbesondere aufgrund der Attika entfernt an römische Triumphbögen.

Im Zentrum bildet eine kleine Pilasterädikula mit rundbogiger Muschelnische den würdigen Rahmen für eine Engelsstatue aus weißem Marmor. Die Ädikula besteht aus zwei dünnen, durch reliefierte Pflanzenstabkandelaber Detail verzierte Pilastern und einem raumhaltigeren Giebelaufsatz, dessen Gebälk auf stehenden und mit Schuppenfüllungen versehenen Volutenkonsolen ruht. Der im Grunde dreieckige Giebel wird am First durch ein gerundetes Akroterion erweitert, begleitet von Eckakroterien an den Seiten. Somit erfährt auch das Tympanon eine Erweiterung seiner Relieffläche nach oben, in die ein lateinisches Kreuz mit zu den Seiten auslaufender Spiralranke eingefügt ist - wie das gesamte Monument in streng achsensymmetrischer Ausrichtung.

Das Hauptgeschoß unterliegt prinzipiell einer fünfteiligen Gliederung, wobei die zentrale Ädikula von vier hochrechteckigen Inschriftentafeln aus schwarzem Granit flankiert wird. Markante pfeilerartige Seitenwangen schließen die Schauwand zu den Seiten ab. Zwischen diesen und dem dominierenden Mittelrisalit liegen die Seitenflügel tiefer zurück und bewirken so eine rhythmisch belebende Staffelung der Architektur.

Durch ein schmales Stockwerkgesims entsteht als oberer Abschluß des Hauptgeschosses eine mezzaninartige Zone, die über jeder der vier Tafeln ein querrechteckiges Feld mit Cherubskopf Ornamentfüllungen in Form von symmetrisch geneigten Lorbeerzweigen aufweist. Die Füllungen der Mezzanin-Felder an den pfeilerartigen Seitenwangen bestehen aus Festons zwischen auf dem Kopf stehenden Fackeln mit kleinen Mohnsträußen im Zentrum. Als Aufsätze der Wandpfeiler gibt es je einen Giebelabschluß mit betont plastisch hervortretendem Cherubskopf-Relief im Tympanon, das wie an der Ädikula des Hauptgeschosses in einem gerundeten, jedoch palmettengefüllten Akroterion endet und damit den Cherubskopf nimbenartig hinterfängt.

Über der Bedachung der Wandpfeiler erhebt sich schließlich noch eine bekrönende Blätter-Vase. Die Pfeilerflächen werden unterhalb der Mezzanin-Zone von prächtigen großen Pflanzenstabkandelabern verziert, die sich scheinbar an Ornament-Entwürfen der deutschen Kleinmeister des 16. Jahrhunderts orientieren, letztlich aber noch dem Formenrepertoire des italienischen Quattrocento verpflichtet sind.

Eine Sockelzone, die freilich recht flach und unauffällig gestaltet ist, fehlt schließlich ebensowenig wie ein prächtiges, kostbar gearbeitetes schmiedeeisernes Gitter über markanter Umfassungsmauer, das der Grabfläche eine dem Grabmal angemessene Einfriedung verleiht. In ein phantasievoll gestaltetes Gerüst aus geschwungenen Rankenmotiven sind neben den gängigen pfostenbekrönenden Blattkapseln erwartungsgemäß auch die als obligatorisch anzusehenden Mohnsträuße eingearbeitet.

Die Grabfläche selbst birgt vier Grabhügel mit sarkophagartigen Umfassungen aus Sandstein, korrespondierend mit den nach modernen Gestaltungsprinzipien erneuerten Grabtafeln der Schauwand.

Das mit Abstand herausragendste Ausstattungsstück der gesamten Grabanlage verkörpert die kürzlich restaurierte und gereinigte Marmorstatue eines auf Wolken herabschwebenden Engels mit Palmzweig im angelegten linken Arm und Lorbeerkranz Engel in der vor die Brust gelegten Rechten; Attribute, die als Sinnbilder von Ruhm und ewigem Frieden zu deuten sind. Das strähnige, halblange und durch ein schmales Stirnband gefestigte Haar flattert wie das Gewand nach hinten ab, so daß die Figur noch in Bewegung begriffen aufzufassen ist, obwohl die großen Schwingen bereits hinter dem Rücken zusammengenommen sind.

Die Figur ist frontal, in leichter Schrittstellung gegeben, indem das rechte Bein vorgestellt, das linke angewinkelte nach hinten geführt ist. Dadurch scheint es erst möglich, daß der Engel auf dem felsförmigen Wolkengebilde stehen Engelskopf kann. Aufgrund des Gegenwindes drücken sich die Körperformen, vor allem die Beine, durch das zum Teil engangepreßte knöchellange Gewand (Chiton) durch.

Der leicht nach vorn und ein wenig zur Rechten geneigte Kopf drückt stille Trauer aus. Der nachdenklichen ernsten Stimmung entsprechen die weichen anmutigen Gesichtszüge wie der gesenkte gütige Blick.

Obwohl es sich um einen serienmäßig verbreiteten Figurentyp handelt, fällt die sehr qualitätvolle Ausarbeitung auf. Leider ist der Name des Bildhauers, der dieses Meisterwerk schuf, nicht ermittelt.

Eine fast wörtliche Wiederholung dieses Figurentyps, mit Ausnahme eines Attributes, findet sich nur wenige Meter entfernt am neugotischen Wandgrab Karl Wilhelm Eduard Nonnemanns (gest. 1887).

Typ: Wandgrab

Maße: Engel: 1,45 m hoch.

(Thomas Ratzka)



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