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Die Kapellen auf den historischen Friedhöfen
am Mehringdamm und an der Bergmannstraße


Noch im 18. Jahrhundert lagen die Begräbnisplätze der Dörfer und Städte vorwiegend innerhalb der Siedlungen. Angelegt waren sie um die Dorfkirchen und städtische Pfarrkirchen, die zum Teil über Nebenräume für die Aufbahrung verfügten. Zu dieser Zeit war es jedoch noch üblich, Verstorbene bis zur Bestattung in der Wohnung der Hinterbliebenen aufzubahren. Mit dem Anwachsen der Städte und ihrer Bevölkerung im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert und durch die damit einhergehende Verknappung und Verteuerung der innerstädtischen Bodenflächen wurde die Anlage von Begräbnisplätzen außerhalb der Städte zur Notwendigkeit. Die oft großen Entfernungen zwischen diesen Friedhöfen und den zuständigen Pfarrkirchen sowie zunehmende Hygienekenntnisse führten zur Errichtung separater Kapellen zur Aufbahrung der Leichen und für Totenfeiern.

In funktionaler Hinsicht sind die frühen erhaltenen Bauten auf das Wesentliche beschränkt. Sie bestehen in der Regel aus einem ebenerdigen Kapellenraum mit Altarnische und einem danebenliegenden Sargraum. Mit wachsender Akzeptanz der Bestattung direkt von der Friedhofskapelle aus wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts mehr Raum für die gleichzeitige Aufbahrung mehrerer Särge benötigt. So entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neuer Bautyp. Charakteristisch sind Kapellen mit Feierraum und Altarnische, zuweilen mit offener Vorhalle, seltener mit einem Vorraum im Inneren. Die Leichenkammern befinden sich im Untergeschoß. Sie können belüftet und gekühlt werden. Mittels Aufzügen können seit Ende des Jahrhunderts die Särge direkt in die Feierhallen befördert werden. Nur selten gab es im Kellergeschoß Geräteräume. Auch ein Raum für den Priester fehlte in den meisten Fällen.

Stilistisch gehen die ältesten Berliner Kapellen auf das Biedermeier zurück. Beispiele aus dieser Zeit sind auf dem Jerusalems- und Neue Kirche-Friedhof III am Mehringdamm und auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof II an der Bergmannstraße erhalten. Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert an wird vermehrt auf Stile vergangener Epochen zurückgegriffen. Formen der Romanik, Gotik und Renaissance, auch Mischungen der verschiedensten Richtungen sind häufig zu beobachten. Als Baumaterial waren Ziegelsteine beliebt. An der Bergmannstraße sind gleich zwei Backsteinkapellen aus der Kaiserzeit erhalten. Sie sind auf dem Friedrichswerderschen Friedhof und auf dem Jerusalems- und Neue Kirche-Friedhof IV zu finden. Erst in der ersten Dekade des 20. Jahrhundert. kamen Bemühungen auf, die historisierenden Formen zu überwinden. Eine Kapelle aus dieser Periode findet sich auf dem alten Luisenstädtischen Friedhof am Südstern.

(Jutta Schäfer)


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