GBBB

Theodor von Brockhusen

geb. 16.7.1882 Margrabowa (Ostpreußen)
gest. 20.4.1919 Berlin
Maler
Kirchhof Nikolassee
Fam.-Stelle 47, Ehrengrab

Man malt nicht nur, was man sieht, sondern auch was man fühlt. Dieses sinngemäß wiedergegebene und den Kern des Impressionismus treffende Motto Max Liebermanns könnte auch über Theo von Brockhusens Werk stehen. Von der Kunstakademie in Königsberg kam er 1904 nach Berlin und wurde schon bald Mitglied der Berliner Sezession; später war er, als Nachfolger Liebermanns, deren Präsident.
Brockhusens Hauptthema war die märkische Landschaft. Man hat ihn des öfteren den "deutschen van Gogh" genannt - ein zweifelhafter Vergleich, denn im pastosen Auftrag der Farben und den heftigen Pinselstrichen war seine Malweise der van Goghs, den er bewundert hat, zwar ähnlich, doch das, was er sah und malte, trug seinen unverwechselbaren persönlichen Stempel. Brockhusen hatte zwar Sinn für leuchtende und wilde Farbigkeit, aber nicht für den ekstatischen und zügellosen Farbenrausch des Holländers. "In seiner ein Motiv ebenso leidenschaftlich ergreifenden wie nobel-zurückhaltenden Art ... durfte Brockhusen es wagen, in dem Bild 'Frühling in der Mark' den überschäumenden Zauber blühender Obstbäume in Werder ... darzustellen, ohne im mindesten gefällig oder süßlich zu werden." Irmgard Wirth, "Berlin und die Mark Brandenburg - Landschaften", Hamburg 1990, S. 192). Es gelang ihm immer, seinem Sehen und Fühlen eine innere Ordnung zu geben. Ab 1906 begannen seine Arbeiten auf den Ausstellungen der Berliner Sezession Aufsehen zu erregen. Es kam zu weiteren und erfolgreichen Ausstellungen in Dresden, Düsseldorf, Bremen und Weimar. 1912 erhielt Brockhusen den von Eduard Arnhold ermöglichten Villa-Romana-Preis. In seinen letzten Jahren lebte er in Baumgartenbrück am Schwielowsee und in Seelow, wo er seine schönsten Motive fand.

Der Bildhauer Fritz Klimsch, der Brockhusens Grabdenkmal schuf, charakterisiert den Maler in seinen "Erinnerungen": "... aus einem altadligen ostpreußischen Geschlecht stammend, in seinem Wesen vorherrschend Junker, herrisch und selbstherrlich, draufgängerisch, eroberungslustig, besaß er andererseits durchaus das Künstlerische, Großzügige, Lichtsinnige, Lebensfreudige, Begeisterungsfähige. Einerseits offen und geradheraus bis zur Rücksichtslosigkeit, andererseits Weichheit und Zartgefühl. Während es ihm paßte, alle Konventionen und gesellschaftlichen Schranken über den Haufen zu werfen, hielt er doch als vollendeter Kavalier auf Etikette. Er war geistig bedeutend, verfügte über eine glänzende Rednergabe, über viel Witz, der meist sarkastisch war, und als Bestes über eine unglaubliche Phantasie." (zit. Fritz Klimsch, Erinerungen und Gedanken eines Bildhauers, Berlin 1952, S. 110)
Als Brockhusens Arbeiten in der Öffentlichkeit Resonanz fanden, wurde auch der damals bedeutendste Kunstverleger Berlins Paul Cassirer auf den Maler aufmerksam. Er unterstützte ihn finanziell, nahm ihn schon bald unter Vertrag und drängte den so gut wie mittellosen Künstler, ihm seine gesamte Produktion abzutreten. "Da jedoch Brockhusen ... eine zu starke und selbständige Natur war, um zu allem, was Cassirer wollte, Ja und Amen zu sagen, kam es später zu einer Trennung von Brockhusens Seite, die ihm Cassirer nie verzieh; von diesem Termin an war das Interesse für den 'Treulosen' vollkommen erloschen." (zit. Fritz Klimsch, S. 110)
Über Brockhusens weitere künstlerische Entwicklung und Produktion, wäre er älter geworden - er starb mit 37 Jahren, wurde also genau so alt wie der von ihm bewunderte van Gogh! -, kann nur spekuliert werden. Fest steht jedoch, daß er in seinem Schaffen einen bedeutenden Beitrag zur Landschaftsmalerei in Berlin und der Mark Brandenburg geleistet hat.

(Hans Therre)



Kontakt:
mailbox
gbbb@gmx.de

© GBBB e. V. 1994 - 2006