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Bernhard Dernburg

geb. 17.7.1865 Darmstadt
gest. 14.10.1937 Berlin-Grunewald
Bankier, Kolonialpolitiker
Landeseigener Friedhof Grunewald
Abt. IV, Erb. 17

"Der Sohn eines der ersten Grunewalder Villenkolonisten, des Chefredakteurs der damaligen 'Nationalzeitung', Friedrich Dernburg, und Enkel des Richters am höchsten Gerichtshofe Geheimrats Professor Dr. Jakob Dernburg, der Wirkliche Geheime Rat Staatssekretär des Reichskolonialamts a. D. und Reichsfinanzminister a. D. Dr. jur. und Dr. der Staatswissenschaften h. c. Excellenz Bernhard Dernburg kann am 17. Juli seinen 70. Geburtstag in seiner schönen Besitzung in der Erbacher Straße 1-3 begehen."

So würdigte das "Grunewald-Echo" am 15. Juli 1935 einen seiner berühmtesten Abonnenten. Zwei Jahre später starb Bernhard Dernburg in seinem Haus. Seine Familie bereitete zu jener Zeit ihre Flucht vor: Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurden die Dernburgs von den Nationalsozialisten in die Emigration getrieben.

Der Kolonialpolitiker Bernhard Dernburg startete seine berufliche Karriere im Bankwesen. Seit 1901 war er Direktor der Bank für Handel und Industrie in Berlin, die unter seiner Leitung wirtschaftlich gesundete und expandierte. Die Berufung des liberalen Bankmannes zum Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes bedeutete 1906 eine Konzession an die liberalen Kräfte des Deutschen Reiches. Zu jener Zeit, 1903-1907, forderte der Aufstand der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialmacht im damaligen "Deutsch-Südwest-Afrika" - dem heutigen Namibia - blutige Opfer unter der schwarzen Bevölkerung; die deutsche Reichskasse kostete die Niederwerfung des Aufstandes etwa 400 Millionen Mark.

Der Bankensanierer Dernburg sanierte nun den kolonialen Wirtschaftshaushalt. Als Bankier warb er in den Kreisen großer Kapitalgesellschaften zum wirtschaftlichen Engagement in den deutschen Kolonien, förderte den Bau von Eisenbahnen und besteuerte den Diamantenhandel. Dernburgs Politik steigerte die Exporte aus den Kolonien, sanierte die Staatsfinanzen und führte insgesamt zu einer "rationelleren ökonomischen Erschließung des deutschen Kolonialbesitzes" (Neue Deutsche Biographie), will heißen zu einer rationelleren Ausbeutung der kolonialisierten Länder. Nach der Verselbständigung des Reichskolonialamtes wurde Dernburg - auf Empfehlung Walther Rathenaus - 1907 zu dessen erstem Staatssekretär - d.h. im Rang eines Ministers - berufen.

Nach dem ersten Weltkrieg war Dernburg von April bis Juni 1919 Reichsfinanzminister und Vizekanzler im Kabinett Scheidemann, von 1920 bis 1930 gehörte er dem Reichstag als Abgeordneter der Deutschen Dem


okratischen Partei (DDP).

Mit seiner Frau Emma, geb. Seliger, einer ehemaligen Kunsthandwerkerin und insgesamt sechs Kindern bewohnte Bernhard Dernburg seit 1901 eine Grunewald-Villa mit Freitreppe und großem Landschaftsgarten in der Erbacher Straße 1-3. Für ihren 1895 verstorbenen Sohn Fritz gestaltete der Bruder Emma Dernburgs, Professor Max Seliger, das Dernburgsche Grabmal.

Werkauswahl:
Koloniale Finanzprobleme, Vortrag 1907; Zielpunkte des deutschen Kolonialwesens, 2 Vorträge 1907; Südwestafrikanische Eindrücke, 1909

(Gabriele Jäger)


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