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Friedrich Dernburg

geb. 3.10.1833 Mainz
gest. 3.12.1911 Berlin-Grunewald
Jurist, Schriftsteller, Redakteur, Politiker
Landeseigener Friedhof Grunewald
Abt. II, Erb. 9, Ehrengrab

Um die Jahrhundertwende war Friedrich Dernburg, der 78-jährig in Berlin-Grunewald starb, ein bekannter Redakteur, Reiseschriftsteller und Schilderer der Berliner Gesellschaft. Seine Novellen sind fast ausnahmslos Berliner Geschichten.

Nach einem Studium der Rechte war Dernburg zunächst Hofgerichtsadvokat in Darmstadt, wo er sich bald auch als Führer der hessischen Fortschrittspartei - und Gegner der erzkonservativen Regierung Dalwigk - sowie als politischer Publizist einen Namen machte. Von 1871-1881 vertrat er als Mitglied der nationalliberalen Partei einen hessischen Wahlkreis im Deutschen Reichstag. Seine Schilderungen der dortigen Sitzungen machten ihn als Autor in der Tagespresse berühmt und beliebt, so daß er 1875 zum Chefredakteur der Nationalzeitung in Berlin berufen wurde. Seit 1890 arbeitete Dernburg dann vorwiegend für das Berliner Tageblatt, der renommierten Tageszeitung aus dem liberalen Berliner Verlagshaus Mosse. Im Jahre 1900 gehörte er gemeinsam mit dem Bildhauer und Maler Gustav Eberlein, dem Schauspieler Hermann Nissen sowie dem Dramatiker und Grunewald-Nachbarn Hermann Sudermann zu den Wortführern der intellektuellen Opposition gegen die sogenannte " lex Heinze", eines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Strafbestimmungen gegen Zuhälterei, Kuppelei, u.ä.

Friedrich Dernburg und seine Frau Luise, geb. Stahl, - eine Pfarrerstochter - bezogen 1889 das erste fertiggestellte Haus in der neugegründeten Villenkolonie Grunewald. Dort, in seinem Landhaus an der Herthastraße 15, starb Friedrich Dernburg 22 Jahre später. Am Grabe des beliebten Autors berichtete Pfarrer Hermann Priebe "das letzte Buch, welches der müden Hand des Sterbenden entglitten, sei Wilhelm Meisters theatralische Sendung gewesen..." (Grunewald-Echo: 10.12.1911) Bis wenige Wochen vor seinem Tode durchkreuzte Friedrich Dernburg gern auf dem Fahrrad seine Grunewalder Nachbarschaft, um seinen Sohn, den Staatssekretär im Reichskolonialamt, Bernhard Dernburg zu besuchen. Dies inspirierte den Grunewalder Dramatiker Walter Harlan an Friedrich Dernburgs Todestag zu folgendem Gedicht:

Als ich die Zeitung las heut' früh
hatt' ich ein seltsame Vision:
Ein Runzelalter, nicht ohne Müh',
sprang vom Rade vor Gottes Thron,
Hielt - einen Flamberg hin,
Sagte durchaus unfestlich dann:
"Es ist kein Schmutz noch Rost daran."
Und hob sein dünnumgrautes Kinn.

Eine karge, funktionale Grabwand aus hellem Travertin erinnert in großen metallenen Lettern an den Grunewalder Autor und seine Familie.

Werkauswahl:
Des deutschen Kronprinzen Reise nach Spanien und Rom (1884); Der Overstolze (Roman, 1889); Russische Leute (1885); Auf deutscher Bahn in Kleinasien (1892); Aus der weißen Stadt (1893); Dramen: Parlamentarier (1886); Trenck (1886); Berliner Geschichten (Novellen, 1886)

(Gabriele Jäger)



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