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Leseprobe:

Berliner Geschichten, von Friedrich Dernburg, Berlin 1886

Am Fuße des Kreuzberges, Seite 94 ff:

Der Belle-Alliance-Platz (heute Mehringplatz) mit Blick nach Süden.
F.A. Schwarz, um 1895

"Keine der Berliner Vorstädte hat eine so eigenartige Ausbildung gewonnen, wie die Vorstadt vor dem Halleschen Tor - keiner anderen ist nach Innen und von Außen ein so selbständiges Gepräge aufgedrückt! Von der Belle-Alliancebrücke bis zum Kreuzberg ist sie ein architektonisch gegliederter Stadtteil, ja eine Stadt für sich.
Ihren architektonischen Brückenkopf besitzt die Stadt am Fuße des Kreuzberges in dem Belleallianceplatz. Denn daß die lange schmale Friedrichstraße nur die Zufahrt zu einem im großen Stil sich entwickelnden Stadteingang bildet, das lehrt schon der erste Blick. Und wie glücklich ist hier die Steigerung! Die leichtschwebende Friedensgöttin auf der edelschlanken Porphyrsäule streckt ihren Arm so weit aus, als wolle sie die ganze Perspektive der Friedrichstraße an sich heranziehen - markig und fest stellen sich die vier Kämpfergruppen um sie herum - das Motiv, welches die im Kreise das Viereck der Monumente umziehenden Gartenanlagen geben, nehmen die Häuser auf, die kreisrund den Platz umstehen. Eine breite Treppe lädt zum Aussteigen ein - Embleme des Friedens schmücken ihre Wangen; denn vor den Thoren bleibe der Krieg. An den fünfbogigen Thorhallen vorbei gleitet der Blick nach der monumentalen Brücke, breit und mächtig legt sie sich über den schiffbelebten Kanal. Lebensvolle Gruppen, die sie schmücken, verherrlichen die erfreulichen Geschäfte des Friedens. Welche Introduktion für eine Stadt! Wenn Berlin eine solche hätte! (...)
Im übrigen eine weite luftige Stadt, gegen das Andringen der Häuserfluth auf allen Seiten gefestet und geschützt durch das weite Eisenbahngebiet, das Tempelhofer Feld, die Hasenheide, den Kanal - eine Stadt der Kasernen und Friedhöfe, der Offiziere und Beamten. Eine militärische Stadt vor Allem."



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