Grabstätte Bernhard Dernburg
Gestaltung: Mosaik Max Seliger,
Ausführung: Dt. Glasmosaik Gesellschaft Puhl & Wagner
Landeseigener Friedhof Grunewald
Abt IV, Erb.17
An der Erbbegräbniswand zieht ein farbenfroh gestaltetes Grabwandbild die Blicke auf sich. Bei näherem Betrachten zeigt sich, daß die Malerei inGlasmosaiktechnik ausgeführt ist. Dadurch erklärt sich ihre leuchtende, intensive Farbwirkung. Die witterungsbeständigen Glasmosaiksteine sind das unvergänglichste Material, um eine bildliche Darstellung dauerhaft zu gestalten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Technik aus dem Mittelalter wieder neu aufgegriffen. Auf Friedhöfen wurden Mosaikbilder allerdings selten verwendet. Durch ihre Auffälligkeit und Lebhaftigkeit erschreckten sie in der Atmosphäre verhaltener Trauer.
Beim Grabmal Dernburg war der Anlaß ein Außergewöhnlicher. Der Erstverstorbene war der kleine Fritz, Sohn von Emma und Bernhard Dernburg. Zum Tod des Kindes wurde nach 1895 das Grabmosaik von Emma Dernburgs Bruder, dem Maler Max Seliger, entworfen. Ausgeführt wurde die Arbeit von der Deutschen Glasmosaik Gesellschaft Puhl&Wagner, deren Monogramm (P&W) links unten am Mosaik zu finden ist.
Die Bildanlage vermittelt einen friedvollen Eindruck. Das tiefe Nachtblau des Hintergrunds verbreitet eine gefühlvolle Stimmung. Sie lastet jedoch nicht als bedrückende
Schwere auf der Szene: Mit eher heiterer Zuversicht und Leichtigkeit in den Gestalten erscheint die Darstellung wie ein Lichtblick. Ein inneres Leuchten des Farbkörpers wird durch den Einsatz von Goldpartikeln erzeugt. Auf einer Blumenwiese gruppieren sich zwei Frauen in weißen Gewändern um einen Altar. Eine der beiden hält eine schwarze, mit Goldornamenten verzierte und roten Tulpen gefüllte Vase in ihrem Arm. Eine weitere plaziert sie mit heiterem Gesichtsausdruck auf dem Altar, der die Inschrift trägt:
"Die Liebe höret nimmer auf".Es ist der häufig als Grabspruch verwendete Vers 1 aus Korinther 13,8Die zweite Frau spielt auf einer schwarzen, ebenfalls goldverzierten Harfe, die von einem nackten, gelockten Putto mit bunten Flügeln umfaßt wird. Sie scheint mit geschlossenen Augen der Musik hingegeben zu lauschen. Vor dem nachtblauen Hintergrund verteilen sich zahlreiche, mächtig große, weiße Lilien. Wie das übrige Mosaik ist auch der dargestellte Altar ausgesprochen farbenfroh. Bunte Baluster tragen eine reich verzierte Platte, an der Vorderseite erscheint ein rotes Malteserkreuz in einem Goldkreis. Die antikisierenden Gewänder der Frauen lassen zunächst auf Personifikationen schließen - etwa ehrendes Gedenken und tröstende Musik. Doch die durchaus realistischen Porträts und Figuren der Frauen deuten auf wirkliche Familienmitglieder. Laut zeitgenössischen Quellen sollen sie die Züge von Emma Dernburg und ihrer Schwester tragen.
Den Rahmen für das Bildmosaik bildet eine Scheinarchitekturfassade, die begrenzt wird von zwei attischen, sich nach oben verjüngenden Pilastern. Sie ruht auf einem glatten, schwarzen Steinsockel. Zahlreiche dezente Schmuckelemente ergänzen die Gestaltung der Grabanlage.
Bestattete:
(Heribert Rüther/ Monika Winter-Aretz)
- Bernhard Dernburg (1865-1937)
- Emma Dernburg (1941)
- Fritz Dernburg (1895)
- Elisabeth Dernburg (1943)
- Emma Paasch (1943)
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