Grabstätte Carl Ruhnke
Städtischer Friedhof Berlin-Zehlendorf
Feld 003/ Abt.4W-139
Die Anlage der Grabstätte Ruhnke, obwohl nicht an der Begräbniswand des ältesten Friedhofsteils gelegen, entspricht ganz der Tradition des Erbbegräbnisses um die Jahrhundertwende. Am Kopfende des umzäunten Grabfeldes steht eine große Platte, in die ein antikisierendes Relief dreier Frauengestalten eingelassen ist. Das Relief aus hellem Travertin ist in einen dunklen Steinrahmen eingefaßt. Oben schließt der Rahmen mit einem flachen, geneigten Giebel ab. Die Front der Brüstung darunter springt leicht hervor.
Im Sinne eines vor allem in der Architektur der 20er Jahre aufkommenden Neoklassizismus lehnt man sich hier in der Gestaltung an die attischen Grabreliefs der Antike an. Das Relief nimmt einen antiken Mythos auf: die drei Parzen - griechische Schicksalsgöttinnen. Drei Frauengestalten in antikisierenden Kostümen erscheinen in einer Reihe aufgestellt. Die linke trägt ein lose um den Körper
geschlungenes Tuch, wobei Brust und Schultern nackt bleiben. In der Rechten hält sie einen Spinnrocken und spinnt mit der Linken den Faden. Durch das Attribut ist sie als Klotho, die den menschlichen Lebensfaden spinnt, gekennzeichnet. Den Kopf zur Rechten geneigt, wendet sie sich ihrer Arbeit zu. Die Mittlere, den Betrachtenden direkt zugewandt, präsentiert den Faden. Sie stellt Lachesis die Verteilerin des Lebensloses dar. Diese gibt den Faden an die rechte, sich von ihr abwendende Gestalt weiter, welche durch die Toga und den Schleier am stärksten verhüllt ist. Sie steht am Ende des Lebens, die reiferen Züge im Gesicht unterstreichen dies. Ihr Blick abwärts gewandt, folgt der linken Hand, welche den Faden mit einer Schere durchtrennt. Gemeint ist Atropos, die unabwendbar dem Leben ein Ende setzt.
Das Grabmal der Familie Ruhnke zeigt eine Allegorie des Lebens, welche die Betrachtenden zur Kontemplation aufruft. Die ästhetische Form der Darstellung nimmt dem Thema des Alterns und des Todes die Brisanz.
Ein weiteres Grabmal dieses Typs befindet sich auf der Grabstätte Martin/Wünsch auf dem selben Friedhof.
Bestattete:
(Kirsten Janke)
- Carl Ruhnke, 9.11.1874- 20.04.1912
- Elsa Ruhnke, 19.08.1909- 30.08.1929
- Kurt Ruhnke, 14.12.1906-02.07.1943
- Martha Olga Ruhnke, 21.08.1876-15.03.1953
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