Grabstätte Sudermann
Landeseigener Friedhof Grunewald
Abt. V, Reihe 58, Ehrengrab
Das Grab ziert eine nicht signierte gesockelte Frauenbüste: Sudermann hatte sie zu Ehren seiner Frau Clara aus dem von ihm angelegten Skulpturenpark seines Schlosses Blankensee bei Trebbin auf den Friedhof bringen lassen. Die Figur ist eine Darstellung der Göttin Hera, Gemahlin und Schwester des Zeus, Beschützerin der Ehe und der Frauen. Sie stand an Claras Lieblingsplatz auf der Jahreszeitenwiese im Park von Blankensee, die sie zusammen mit Chronos, der die Sanduhr hielt, und zwei weiteren Skulpturen umrahmt hatte. Sudermann selbst hatte dieser 'Marmorfrau', wie er sie nannte, schon in seinem Roman "Das Hohe Lied" (1908) ihren literarischen Ort gegeben:
"Während seine römischen Aufenthalts hatte er eines Tages in den Schaufenstern eines Kunsthändlers einen antiken Frauenkopf entdeckt, arg verwittert, aber von so hochgestimmter und dunkler Schönheit, daß er immer wieder vor das Haus geschlichen war, um ihn heimlich zu betrachten. Und eines Tages hatte er den Händler in der offenen Tür mit einem deutschen Herrn in eifrigem Gespräch getroffen, das trotzdem nicht vorwärts wollte, weil einer den anderen nicht verstand. Da war er als Dolmetsch dazwischengetreten und hatte zu seinem Schmerze erfahren müssen, daß der Handel um seinen Liebling ging, den der Landsmann, ein ältlicher Gutsbesitzer von freundlichen Formen und nicht kulturlos, zu erwerben wünschte. Sich selbst zum Trotz war er nach Kräften bemüht gewesen, den Kauf zustande zu bringen, und hatte von dem Baron eine Einladung bekommen, sich nach der Rückkehr die Marmorbüste in seinem Park anzuschauen, - er solle sich mit eigenen Augen überzeugen, daß ihr keine umwürdige Stätte zugedachte sei."
Bestattete:
(Ulrike Peters-Kania)
- Hermann Sudermann (1857-1928)
- Clara Sudermann (1861-1924)
- Rolf Lauckner (1887-1954)
- Elfriede Lauckner (1886-1952)
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