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O. E. Hasse

* 11.7.1903 Obersitzko / Posen
gest. 12.9.1978 Berlin
Schauspieler
Waldfriedhof Dahlem
Feld 002-74 (Abt. 23 A 7)
Ehrengrab

"O.E.s Gefühl für Qualität war unbestechlich. Seine Kriterien waren: Geistesreichtum, vollendetes Übermittlungsvermögen, ursprünglicher Witz und Einfallsgabe, der Charme der Geste und des Geistes, Schlagfertigkeit und Anspruch an den Fleiß. Das Zentrum seines Lebens war Dichtung, war Theaterspielen. Aus diesem Umkreis wuchsen seine Sympathien, seine Schwärmereien, seine Lieben." Als Sohn von Wilhelm Gustav Eduard Hasse und seiner Frau Valeria erprobte er sich schon als Kind im Theaterspiel. Er trat zu Schulzeiten in Kolmar / Posen als Laiendarsteller gemeinsam mit seiner Mitschülerin Berta Drews in privaten Kreisen auf. Es folgten Aufführungen im Posener Theaterverein, die ein breites Fundament für sein späteres Schaffen legten. Aber erst einmal war es das Elternhaus, das seinem begabten Sohn ein bürgerliches Leben und einen "richtigen" Beruf ermöglichen wollte. O.E. begann nach dem Abitur in Berlin ein Jurastudium, das er allerdings nach drei Semestern abbrach.

Es folgte ein schon lange geplanter Wechsel an das Reinhardt-Seminar zur Ausbildung. Nachdem er diese erfolgreich abgeschlossen hatte, unternahm er an der Berliner "Jungen Bühne" erste Theaterschritte. Sein eigentliches Debüt gab Hasse 1925 am Harzer Sommertheater in Thale. Dort hatten seine Kollegen die Gelegenheit mit dem Komödianten Hasse Bekanntschaft zu machen, der ihnen seine fiktiven Freunde, die Veilchenfelds vorstellte. Dann folgte als erster Spielort für mehrere Jahre Breslau, wo er sich nach einiger Zeit in seinen Rollen zu stark festgelegt sah. So kam 1929 Berlin für eine Urlaubsfreistellung dazu und von 1930 bis 1939 die erhofften und ersehnten Münchner Kammerspiele. Hier arbeitet Hasse zur Zeit des Reichstagsbrandes und der Pogromnacht am 9.11.1938 als Schauspieler und auch als Regisseur. Seiner Erinnerung nach berichtete Hasse von einem eingeschränkte Bühnenbetrieb durch Aufführverbote einiger Stücke. Die Kammerspiele selbst wurden vom Regime eher geduldet als geliebt. An den folgenden Einladungen zu Empfängen nahmen auch dieses Ensemble und O.E.Hasse teil, der sich als Schauspieler nicht als politischer Muliplikator verstand.

Nach München kam es in Prag zu einem erneuten Anlauf, neuen Möglichkeiten. Hier unterschrieb er 1939 nach der deutschen Besetzung für das neu gegründete Deutsche Theater einen Vertrag, hier hatte auch die Abkürzung O.E. ihren Durchbruch, nachdem Hasse schon vorher vergebliche Anläufe genommen hatte seinen Namen zu ändern. In Prag entstand auch eine seiner besten Parodien, dieses Mal auf Hitler selbst, die "Aschenbecherrede". Nun folgte für Hasse die schwerste Zeit; im letzten Kriegsjahr 1944 wurde er vom Theater weg zum Wehrdienst herangezogen, er sollte Flieger werden. Er überstand auch dies, allerdings mit leichten Verletzungen. Zurück in Berlin knüpfte O.E. Hasse 1947 an frühere Erfolge an, als er einen Vertrag am Hebbel-Theater erhielt. Hier, sowie am Renaissance-Theater unter Kurt Raeck und am Schiller-Theater feierte er Triumphe, u.a. in "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder. Zwischenzeitig kam es immer wieder zu Gastspielen in Österreich, der Schweiz und anderen (west)deutschen Städten.
Zu dieser Zeit begann auch seine Filmkarriere. Alfred Hitchcock holte ihn nach Amerika zu Dreharbeiten in "I confess" und für Anatole Litvaks spielte er in "Entscheidung vor Morgengrauen", den Gegenspieler von Clark Gable. Auf dem Zenit seines Schaffens spielte Hasse 1954 den Admiral "Canaris". Daneben kam es auch zu diversen Hauptrollen im französischen Ausland und Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jacques Becker, Roger Vadim, Schauspielern wie Yves Montand. Zu seinem beruflichen und privaten Bekanntenkreis zählten Schauspieler wie Elisabeth Bergner, Käthe Dorsch, Lucie Höflich und Ernst Schröder, Autoren wie Friedrich Dürrematt und Rolf Hochhuth. In den letzten Jahren kamen einige Fernsehauftritte hinzu. "Seine schmalen Lippen verrieten Willenskraft, sein Blick konnte funkeln wie ein Diamant. Hasse begründete seinen Filmruhm mit der Gestaltung der Macht: Könige, Minister oder russische Großfürsten waren sein Metier, besonders aber Soldaten. Die Uniform saß ihm wie angegossen, dabei war ihm jeder Dienstgrad recht, "... . Seine lange, schwere Krankheit hatte O.E.Hasse bis zum Schluß mit Disziplin ertragen und diese Zeit genutzt, indem er seine lange willlentlich aufgeschobene Autobiografie begann, die er jedoch nicht mehr beenden konnte.

Theaterrollen:

Gottfried von Straßburg, (Gottfried von Straßburg) 1925, Mensch und Übermensch, (Hector Malone) 1926; Minna von Barnhelm, (Riccaut de la Marlinière) 1929; Hauptmann von Köpenick, (Hauptmann von Schletow) 1931; Sturm im Wasserglas, (Journalist Franz Burdach) 1932; Die Ratten, (Kandidat Spitta) 1932; Ein idealer Gatte, (Goring) 1936; Rothschild siegt bei Waterloo, (O´Pinnel) 1936; Kabale und Liebe, (Hofmarschall von Kalb) 1938; Wir sind noch einmal davongekommen, (Mr. Antrobus) 1946; Der Tod im Apfelbaum, (Tod) 1946; Die Fliegen, (Jupiter) 1948; Des Teufels General, (General Harras) 1948;Wallenstein, (Wallenstein) 1949; Ein Wintermärchen, (Autolycus) 1952; Lulu, (Schigolch) 1952; Jedermann, (Teufel) 1954; Soldaten, (Churchill) 1967; Eiszeit, (Der Alte) 1973; Sonny Boys, (Willie Clark) 1976. Filmrollen: Der letzte Mann, (Statist) 1924; Peter Voß, der Millionendieb (2. Makler) 1932; Kreuzer Emden (Engl. Offizier) 1932; Peer Gynt (Steuermann) 1934; Der Täter ist unter uns (Dr.Kauper) 1944; Berliner Ballade (Reaktionär) 1948; Entscheidung im Morgengrauen / Decision before dawn (Oberst von Ecker) 1951; Ich beichte / I confess (Keller, der Küster) 1953; Canaris (Admiral) 1954; 08/15, 2.Teil - in der Heimat (Oberstleutnant von Plönnies) 1955; Spion am Werk/ Les éspions (Hugo Vogel, Atomwissenschaftler) 1957; Der Arzt von Stalingrad (Stabsarzt Dr. Fritz Böhler) 1958; Solange das Herz schlägt (Schuldirektor Dr. Hans Römer) 1958; Lulu (Dr. Schön) 1962; Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (Prof. Larsen) 1964; Drei Zimmer in Manhattan / Trois chambres á Manhatten (Hourvitch, Fernseh-Tycoon) 1965; Eiszeitl (Der Alte) 1975 . Regiearbeit: Hier bin ich, hier bleib ich, 1933; Dr. med Hiob Prätorius, 1936; Blitze aus heiterem Himmel, 1936; Ceasar und Cleopatra, 1938; Der trojanische Krieg findet nicht statt, 1947. Ehrungen: Kunstpreis der Stadt Berlin (1951), Berliner Senatspreis (1955), Ordentliches Mitglied der Berliner Akademie der Künste (1961), Staatsschauspieler (1964), Ernst-Reuter-Plakette (1973), Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1974).

Gudrun Grimpe Christen




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