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Fritz Klimsch

Der Gestalter des Grabmals für Theo von Brockhusen

Zwar schuf der Bildhauer Fritz Klimsch (1870-1960) eine große Anzahl von Grabmälern, in der breiten öffentlichkeit war er jedoch vor allem wegen seiner schlanken klassischen Frauenakte bekannt. Seine Karriere ist ein typisches Beispiel für die Vereinnahmung eines Künstlers durch die Nationalsozialisten. Sein Werk folgte schon Jahre vor der Machtergreifung einer gesamteuropäischen Rückkehr zu klassischen Formen und paßte damit in das Kunstverständnis der Nazis. Versuchte er 1936 noch - wenn auch erfolglos - Werke der angefeindeten Künstler Barlach, Kollwitz und Lehmbruck auszustellen, so ließ er sich schon zwei Jahre später durch die persönliche Begegnung mit Goebbels - wohl aus Eitelkeit - regelrecht einfangen.
Obwohl sein Vater Maler war, zeigte sich Fritz Klimsch stärker von seinem Patenonkel beeindruckt und wählte - wie dieser - die Bildhauerei. Von 1886 bis 1894 besuchte er die Königliche Akademische Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin und konnte schon während seines Studiums Preise gewinnen und damit Bekanntheit erreichen. 1898 war er Mitbegründer der Berliner Secession. Zwei Reisen nach Italien, 1895 und 1901, und eine Griechenlandreise 1901 prägten seinen Stil. Sein großer Erfolg erlaubte ihm einen großbürgerlichen Lebensstil. So wurde er 1912 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1916 Senator der Akademie und 1921 erfolgte seine Berufung an die Akademische Hochschule für bildende Künste. 1935 wurde er, seinem Alter entsprechend, als Leiter des Meisterateliers an der Akademie in den Ruhestand versetzt.
Nur wenige Jahre später erreichte seine Karriere aufgrund seiner Einlassung mit den Nationalsozialisten einen neuen Höhepunkt. Es kann daher nicht verwundern, daß er 1946 von der Republik Österreich aus seinem damaligen Wohnsitz Salzburg ausgewiesen wurde. In der Bundesrepublik Deutschland erfuhr er aber bald neue Wertschätzung und erhielt noch kurz vor seinem Tod, 1959, das große Bundesverdienstkreuz.
Seine frühen Werke zeigen ihn - der Zeit entsprechend - als Jugendstil-Künstler. Die "Salome", eine typische "femme fatale", die Lüsternheit und Grausamkeit in sich vereinigt, war damals ein sehr beliebtes Motiv. In Frisur, Faltenwurf, Körperhaltung und geschwungener Linearität ist sie eine typische Jugendstil-Plastik.
Der Eindruck, den die Werke der Antike auf Klimsch gemacht haben, läßt sich sehr deutlich an seinen Grabmälern ablesen. Das "Grabdenkmal für Marie Köhne von Wranke-Deminski" orientiert sich an einem Vorbild des fünften vorchristlichen Jahrhunderts. Klimsch hat das Relief aber ganz auf die Lebensumstände der Verstorbenen zurechtgeschnitten: Ihre beiden Kinder und der Ehemann, als Königlich Preußischer Rittmeister in antiker Rüstung, verabschieden sich von ihr.
Wie sehr Klimsch durch italienienische Renaissance und insbesondere Donatello beeinflußt wurde, belegen die vier Figuren Tapferkeit, Gerechtigkeit, Weisheit und Demut, die er 1914 bis 1917 für den Sitzungssaal im Reichstagsgebäude schuf. Die Bestimmung der Figuren für die Öffentlichkeit legte es für ihn nahe, Donatellos Aufträge am Or San Michele und dem Dom in Florenz als Ausgangspunkt zu wählen.
In die breite Masse wirken konnte Klimsch sehr leicht durch zahlreiche Denkmäler, wie jenes für den ihm persönlich bekannten Chemiker Emil Fischer.
Die populärsten Werke Klimschs, die ihn auch bei den Nationalsozialisten so beliebt gemacht hatten, waren seine Frauenakte. Der Grund dafür liegt wohl in ihrer ansprechenden Ästhetik. Klimsch nahm seinen klassischen Akten die Schwere, indem er ihnen jugendstilige Schlankheit und Schönheit verlieh.
Mit dem Ende des Dritten Reiches trat für Klimsch eine einschneidende Wende ein, auch im künstlerischen Bereich. Die Kleinplastiken, auf die er sich vorerst beschränkte, weisen eine rauhe, wie gespachtelte Oberfläche auf, was ihnen einen gequälten Ausdruck verleiht. In welcher Weise der "Nachdenkliche" tatsächlich Ausdruck einer inneren Haltung des Künstlers ist oder Produkt einer "Wendezeit", bleibt denen zu beurteilen überlassen, die Klimsch gut genug kannten.

(Evmarie Schmitt)



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