Paul Kunzendorf
geb. 11.9.1853 Berlin
gest. 28.4.1923 Berlin-Zehlendorf
Journalist, Schriftsteller
Ehrengrab
Städtischer Friedhof Berlin-Zehlendorf
001-191 (Abt. 1-W-176)
Der Chronist der Entwicklung der prosperierenden Landgemeinde Zehlendorf vom Dorf zum Vorort stammte selbst aus der Stadt - aus Berlin. Nach einem 1885 in Zehlendorf verbrachten Sommerurlaubentschloß sich der Journalist - er arbeitete als Redakteur an einigen großen Berliner Tageszeitungen, u.a. dem "Berliner Lokal-Anzeiger" - noch im gleichen Jahr zur ganzjährigen Umsiedlung. Ermöglicht wurde dieses Vorhaben durch die ausgezeichnete Verkehrsverbindung Zehlendorfs mit Berlin durch die Wannseebahn. In seinem Tagebuch notierte er: "Berlin in der Nähe, täglich leicht zu erreichen, und nach getaner Arbeit die Ruhe auf dem Lande, der Verkehr mit biederen und natürlichen Menschen." Er fügte sich schnell in das gesellschaftliche Leben des Ortes ein, beteiligte sich rege am sich entfaltenden Vereinswesen und vertrat zu Beginn des 20.Jahrhunderts die Freisinnigen in der Gemeindevertretung. Der Heimatforscher Kurt Trumpa berichtet von den Nöten des gesellschaftlich gefragten Bürgers: "Seine Berufstätigkeit, die Zahl der Ämter und Würden nahmen derart überhand, daß er zeitlich nicht mehr in der
Lage war den zum jeweiligen Anlaß passenden Anzug anzulegen, ein damals ungemein wichtiges Erfordernis. Er jedoch wußte sich zu helfen. Bald konnte man ihn ständig in einer dezenten Festbekleidung, sozusagen im »kleinen Dienstanzug« wandeln sehen. Von nun an war er immer parat, den jeweiligen Anforderungen zu genügen."
Nach der Gründung des "Zehlendorfer Anzeigers" im Jahre 1888 arbeitete Kunzendorf hier als Redakteur und begleitete und beeinflußte durch seine Berichterstattung das gesellschaftliche und politische Leben des Ortes. In den Jahren um die Jahrhundertwende unternahm er zahlreiche Reisen ins europäische Ausland, von denen aus er immer wieder in Reisebriefen im "Zehlendorfer Anzeiger" berichtete. Sein Sohn Franz Kunzendorf trat in die journalistischen Fußstapfen seines Vaters.
Werkauswahl:
Zehlendorf einst und jetzt (1906)(Susanne Jäger)
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