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Julius Leber

geb. 16.11.1891 Biesheim
gest. 5.1.1945 Berlin
Politiker, Widerstandskämpfer
Waldfriedhof Zehlendorf
Abt. XVI W 701-702

Aus einem elsässischen Dorfjungen wurde zunächst ein preußischer Leutnant, dann ein Chefredakteur in Lübeck und schließlich Mitglied des Deutschen Reichstags. Er wäre, wenn die Verschwörung vom 20. Juli 1944 Erfolg gehabt hätte, Innenminister, vielleicht, was nicht wenige seiner Zeit für möglich hielten, sogar Reichskanzler geworden. Julius Leber hat den Nationalsozialismus mit den Mitteln bekämpft, die ihm zur Verfügung standen, mit Wort , Schrift und körperlichem Einsatz bis zur Gewaltanwendung. Auch wenn sich seine politischen Ansichten im Laufe seines Berufslebens gewandelt haben, als Politiker besaß er Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß, Qualitäten, die ihm auch von politisch Andersdenkenden bescheinigt wurden.
Leber hat es in seinem Leben nicht leicht gehabt. Zur deutschen Sozialdemokratie kam er als Außenseiter. Seinen Bildungswillen konnte er, als uneheliches Kind einer Elsässer Dienstmagd, nur unter Widerständen durchsetzen. So absolvierte er nach kaufmännischer Lehre und nachgeholtem Schulabschluß das Studium der Nationalökonomie und promovierte 1920. Bereits 1913 war er der SPD beigetreten. Der Kriegsfreiwillige von 1914 blieb auch nach Kriegsende in der Reichswehr. Beim Kapp-Putsch ließ Leber seine Einheit auf die Seite der sozialdemokratischen Regierung treten, was ihm die Feindschaft seiner Vorgesetzten und eine Anklage wegen "Linksputsches" eintrug. Putsch und Anklage wurden niedergeschlagen, doch Leber nahm seinen Abschied von der Armee und bewarb sich in Lübeck bei der Parteizeitung " Lübecker Volksbote". Als Redakteur, später Chefredakteur, hielt er die Zeitung auf einem kämpferisch republikanischen Kurs. Innerparteilich sowie nach außen trat er ein für eine offensive Politik, die keine Auseinandersetzung mit monarchistischen und bürgerlich-obrigkeitlichen Tendenzen scheute.
Leber wurde bereits im Mai 1924 in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Politisch hatte er sich vom überzeugten Anhänger des Marxismus zu dessen Kritiker gewandelt, sowohl der parteioffiziösen wie der linksoppositionellen Variante. Leber gehörte zum Umfeld jener Aktivisten in der SPD, die eine volkssozialistische Erneuerung anstrebten und angesichts der Krise der Republik das Reichsbanner stärkten und die Eiserne Front gründeten.
Am 31. Januar 1933 wurde Leber in Lübeck in Begleitung einer Gruppe von einem Schlägertrupp der SA überfallen. Dabei wurde einer der Nazis von einem Gefolgsmann Lebers in Notwehr getötet. Dieser Vorfall brachte Leber 20 Monate Gefängnis ein. In dieser Zeit verfaßte er mit seiner Schrift: "Die Todesursachen der deutschen Sozialdemokratie" eine kompromißlose Abrechnung mit der Politik und den Politikern der alten Sozialdemokratie. Im Anschluß an das Gefängnis wurde Leber noch bis Mai 1937 in den Konzentrationslagern Esterwegen und Sachsenhausen inhaftiert.
Nach seiner Entlassung trat er in vorsichtige Verbindung zu sozialdemokratischen Widerstandskreisen. Er übernahm erst im Oktober 1943 eine aktive, dann aber auch gleich führende Rolle in jener Verschwörung, die zu den Ereignissen des 20. Juli führen sollte. Allerdings wurde er schon zuvor, am 5. Juli 1944, nach Kontakten mit Vertretern der kommunistischen Inlandsleitung, festgenommen.
Am 20. Oktober 1944 wurde er von Freislers Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. Januar 1945 hingerichtet. Er hinterließ zwei Kinder und seine Frau Annedore Leber, auf deren Grab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf ein Kenotaph für ihn errichtet wurde.

Gräbstätte Leber

(Klaus Rediger)



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