Karl Schmidt-Rottluff
* 11.2.1884 Rottluff b. Chemnitz
gest. 10.8.1976 Berlin Maler, Grafiker
Waldfriedhof Dahlem
Feld 012 - 117-118 (Abt. 10 E 12)
Bereits auf dem Gymnasium in Chemnitz lernte der sich früh mit Kunstfragen auseinandersetzende junge Karl Schmidt-Rottluff seinen späteren "Brücke"-Kollegen Erich Heckel kennen. 1905 nahmen die Freunde gemeinsam ein Architekturstudium in Dresden auf. Noch im selben Jahr gründeten sie - gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl - die expressionistische Künstlergemeinschaft "Brücke". Später verbanden sich noch die Künstler Max Pechstein, Emil Nolde, Amiet, Gallén-Kallela, van Dongen, Otto Mueller u.a. dem Kreis. Im Vergleich zu denen seiner Mitstreiter war der künstlerische und persönliche Lebenslauf Karl Schmidt-Rottluffs - trotz der Unruhe der Zeit - am geradlinigsten und deshalb schien ihn auch der spätere Zerfall der "Brücke" am wenigsten tangiert zu haben. Das Leben der Brücke-Mitglieder brach bewußt mit bürgerlichen Konventionen; die intuitive Formensprache eingeborener Südseekünstler inspirierte sie künstlerisch. Zeitweise führte das Bestreben nach den selben Ausdrucksmitteln sowie die Anwendung gleicher Techniken dazu, daß die Bilder von Heckel, Kirchner, Schmidt-Rottluff und Pechstein sich so ähnlich sind, daß nur noch die unterschiedlichen Bildinhalte eine Zuordnung der Arbeiten ermöglichten.
1911 siedelte Karl Schmidt-Rottluff gemeinsam mit anderen Brücke-Künstlern nach Berlin über, auf die Thematik seiner Bilder nahm dies keinen Einfluß: "'Von mir weiß ich, daß ich kein neues Kunstprogramm habe, nur die unerklärliche Sehnsucht, das zu fassen, was ich sehe und fühle und dafür den reinsten Ausdruck zu finden.' Natur in großen und elementaren Formen zu sehen, das ist der Weg, den Schmidt-Rottluff folgerichtig gegangen ist." 1919 heiratete Schmidt-Rottluff Emmy Frisch und verbrachte den Sommer malend in Holstein. Er entdeckte dort das Fischerdorf Jersköft, das bis 1932 regelmäßiges Sommerdomizil wurde. Bereits 1933 wurde der Künstler aus der Preußischen Akademie, die ihn nur zwei Jahre zuvor aufgenommen hatte, wieder ausgeschlossen. Bis 1938 befanden sich insgesamt 608 seiner Werke in deutschen Museen - nun wurden sie als "entartet" entfernt. 1941 folgte ein totales "Malverbot", das streng überwacht wurde. Bei einem Bombenangriff 1943 auf Berlin wurden viele Bilder und Grafiken in seinem Berliner Atelier vernichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg begann der Sechzigjährige mit der ihm eigenen Vitalität von neuem; bereits 1947 konnte Karl Schmidt-Rottluff eine Professur an der Berliner Hochschule für Bildende Künste annehmen. Eine Spende Schmidt-Rotluffs, bestehend aus seinen alten und neuen Arbeiten, ermöglichte die Gründung des Brücke-Museums in Berlin Dahlem, das heute als eines der zentralen Museen expressionistischer Kunst gilt.
Literatur: J. Schwarz: Maler des Expressionismus. Brücke, Berghaus Verlag Ramerding 1975
Gabriele Jäger
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