Renée Sintenis
geb. Renate Alice Sintenis, verh. Weiss
* 20.3.1888 Glatz (Schlesien)
gest. 28.10.1968 Berlin
Bildhauerin, Professorin
Waldfriedhof Zehlendorf
Abt. XVI W 701-702
Renée Sintenis ist durch ihr bevorzugtes Thema - die Tierdarstellung - als Tierbildhauerin bekannt geworden. Das "große grasende Fohlen" auf dem Renée-Sintenis-Platz in Berlin-Schöneberg und der bronzene "Berliner Bär" am Zehlendorfer Autobahnkleeblatt erinnern an die Bildhauerin. Die ländliche Umgebung Neuruppins, wo Sintenis ihre Kindheit verbrachte, und die Tiere in den Stallungen eines Pferdezüchters im Untergeschoß des Elternhauses hatten entscheidenden Einfluß auf ihre spätere Themenwahl. Besonders Pferde und Ponydarstellungen nehmen einen großen Raum in ihrem Werk ein. Ihre ersten finanziellen Erfolge nutzte sie, um ein Reitpferd zu erwerben. Zeitgenossen erinnerten sich, daß sie nach ihrem morgendlichen Ausritt im Tiergarten - noch im Reitdreß - gerne ein Café am Kurfürstendamm aufsuchte.
Im Vorwort eines Kataloges schreibt der Autor beeindruckt: "Wenn die elegante Dame am frühen Morgen, von ihrem Hund begleitet, auf dem eigenen Pferd im Tiergarten ausreitet, dann folgen ihr Blicke der Bewunderung.",1908 -1912 besuchte Sintenis die Kunstgewerbeschule in Berlin, wenngleich die Eltern nicht an eine ernsthafte Beschäftigung mit der Kunst dachten, sondern die Ausbildung eher als Überbrückung zum Ehe- und Hausfrauendasein sahen. Auf Wunsch des Vaters unterbrach sie ihre Studien und begann eine Sekretärinnenausbildung, die sie nach einiger Zeit abbrach, um ihre Ausbildung an der Kunst- und Gewerbeschule fortzusetzen. Es kam zum Bruch mit dem Vater, sodaß Sintenis die elterliche Wohnung verließ und vorübergehend bei einer Mitstudentin lebte. Diese verdiente bereits ihr eigenes Geld durch kunsthandwerkliche Arbeiten, und wird Sintenis dadurch in ihrer Verselbständigung bestärkt haben.
Im Jahre 1915 stellte sie das erste Mal einige Arbeiten in der Berliner Sezession aus. In der Folgezeit etablierte sie sich in Kunstkreisen und gewann einflußreiche Freunde. Im Dezember 1917 heiratete sie den mehr als 10 Jahre älteren, an der Kunstgewerbeschule tätigen Lehrer Emil Rudolf Weiß. 1921 wurde sie im Alter von 33 Jahren als Lehrerin an die Akademie der Künste berufen.
Sie unterrichtete dort bis zu ihrem Ausschluß aus der Akademie im Februar 19334. Die schwierige Zeit während des Nationalsozialismus verschärfte sich für sie durch den Tod ihres Gatten im November 1942. Der Verlust warf sie in tiefe Depressionen, zumal durch die politischen Umstände die Zukunft der 54-jährigen sehr ungewiß schien. Nach dem Krieg konnte sie sich jedoch bald wieder im Kunstbetrieb etablieren, nicht zuletzt durch den langjährigen Freund und Kollegen Karl Hofer. 1948 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Berlin und wurde als Lehrbeauftragte an die Akademie der Künste berufen. 1952 wurde ihr - nach Käthe Kollwitz als zweiter Frau - der "Ordre Pour le mérite" für Wissenschaften und Künste verliehen. Im Februar 1955 berief sie die Akademie der Künste als ordentliche Professorin. Aus gesundheitlichen Gründen gab sie das Lehramt im Oktober 1956 wieder auf.
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