Berlin und seine Literaten
Der Dramatiker Hermann Sudermann
Der Sohn eines kleinen Bierbrauers aus dem litauischen Memelland schaffte den Sprung in die deutschen Bestsellerlisten erst nach wiederholtem Anlauf. Gedruckt sah er sich erstmals als Journalist beim Rickertschen "Deutsches Reichsblatt", das er für hundertzwanzig Mark monatlich und zwei nasse Hinterzimmer als Wohnung vom Leitartikel bis zum Kreuzworträtsel selbst verfaßte. Ein notwendiger Broterwerb, hatte ihm doch das Residenztheater seinen ersten dichterischen Versuch,"Die Tochter des Glücks" 1877 ohne die breiten unbeschriebenen Ränder zurückgegeben, die man als das einzig scheinbar Verwertbare abgeschnitten hatte. Endlich, am 27. November 1889, der Sensationserfolg seines Schauspiels "Ehre" am Berliner Lessing-Theater, dem ein nicht minder lauter Paukenschlag im wilhelminischen Berlin vorausgegangen war: Gerhart Hauptmann am 20. Oktober 1889 mit seinem Stück "Vor Sonnenaufgang", das man "johlend, auf Hausschlüsseln pfeifend, trommelnd, kaum ausspielen hatte lassen" (Hermann Bahr: Kritik der Gegenwart, Augsburg 1922, S. 130) Anschließend prügelten sich Hauptmannianer und Sudermannianer im Berliner Café Kaiserhof. Aufführungsserien folgten. Der internationale Durchbruch gelang, die großen Schauspielerinnen der Zeit, Eleonora Duse und Sarah Bernhard feierten in seinen Stücken Triumphe. Der Erfolg machte sich bezahlt: 1895 sicherte ihm ein Autorenvertrag mit dem Verlag Cotta 20% vom Ladenpreis und ein Jahresgehalt von viertausend Mark. Über die materielle Not der Kriegs- und Inflationsjahre halfen ihm amerikanische Filmverträge.Doch die offizielle Kritik, allen voran die damaligen Literaturpäpste Alfred Kerr und Maximilian Harden, favorisierte seinen Rivalen Hauptmann. Als Sudermann sich 1902 in seinem Pamphlet über die "Verrohung der Theaterkritik" gegen Adjektive wie 'unliterarisch' und 'theatralisch' verwahrte, konterte Alfed Kerr mit einer eigenen Streitschrift "Herr Sudermann, der D..Di...Dichter (...) ein Schädling in der Kunst unseres Landes, ein Operettengeneral, ein Abschöpfer, der (...) das Wesentliche trivialisierte(...)" (Dorothea Kuhn, Porträt und Selbstporträt, Marbacher Magazin 10, 1978, S. 199) Erst Jürgen Fehlings Inszenierung von "Johannisfeuer" 1944 im Berliner Staatstheater am Gendarmenmarkt zeigte einen anderen Sudermann, "den dramatischen Balzac des deutschen Ostens". (Paul Fechter, Hermann Sudermann. Eine notwendige Betrachtung zum 100. Geburtstag des Dichters. In: Hermann Sudermann, Heimat im Osten, Stuttgart, 1970)
Werkauswahl:
Ehre. Schauspiel. Stuttgart/Berlin, 1890; Heimat. Schauspiel. Stuttgart/Berlin, 1894; Das Hohe Lied, Roman, Stuttgart/Berlin, 1908; Litauische Geschichten. Stuttgart/Berlin, 1917; Das Bilderbuch meiner Jugend. Autobiographie. Stuttgart/Berlin, 1923; Die Frau des Steffen Tromholt. Roman. Stuttgart/Berlin, 1927(Ulrike Peters-Kania)
![]()
![]()
Kontakt:
gbbb@gmx.de
© GBBB e. V. 1994 - 2006