Bernhard Wieck
geb. 8.5.1845 Schleswig
gest. 26.8.1913 Berlin
Ingenieur, Erster Amts- und Gemeindevorsteher Grunewalds
Landeseigener Friedhof Grunewald
Abt. II, Erb. 58
Ein Extrablatt des Grunewald-Echos am Mittag des 26. August 1913 hatte die Gemeinde vom Tod ihres Vorstehers unterrichtet: "Heute, Dienstag Vormittag 9 Uhr 5 Minuten, verschied in seiner Villa, Herthastr. 4, unser langjähriges Gemeindeoberhaupt, der seit Begründung der Landgemeinde Grunewald als Amts- und Gemeindevorsteher ehrenamtlich tätige Direktor B. Wieck im 69. Lebensjahre."
Einige Tage später berichtete die Zeitung ausführlich von der "überwältigende(n) Trauerkundgebung, die bewies, wie nahe der verstorbene Gemeindevorsteher von Grunewald, Direktor Bernhard Wieck, den Herzen wohl eines jeden Einwohners unserer schönen Villengemeinde gestanden hat." (Grunewaldecho 31.8.1913) Die Grunewaldkirche mochte die Zahl der Trauernden kaum fassen. Palmen- und Lorbeerarrangements schmückten den Sarg; Palmen- und Lorbeerkränze trug auch die Gruft, zu der ihn der Trauerkondukt der Grunewalder durch die Straßen der Kolonie begleitete.
Die Gemeinde ehrte einen ihrer ältesten Siedler. Schon 1892 bezog Wieck mit seiner Familie die Villa in der Herthastr.4. Heinrich Seeling hatte das Landhaus, das zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Villenkolonie zählt, 1890/91 im Zentrum der Kolonie erbaut.
Der in München und Zürich ausgebildete Ingenieur war nach einigen Jahren beim Eisenbahnbau in den 80er-Jahren in die Direktion der "Grundrentengesellschaft" und der "Baugesellschaft am kleinen Tiergarten", zweier großer Berliner Terraingesellschaften, aufgestiegen. In der Nachbarschaft der Mendelssohns und Friedrich Dernburgs - Wiecks Sohn Otto sollte dessen jüngste Tochter später heiraten - fühlten sich die Wiecks schnell heimisch. Wieck machte sich in der Interessenvertretung der Siedler als geschickter Verhandlungsführer mit den Verwaltungen einen Namen. Als die Villenkolonie im Sommer 1899 zur selbständigen Landgemeinde erklärt wurde, wählten die Siedler ihn zu ihrem ersten Amts- und Gemeindevorsteher. In den 14 Jahren seiner Amtszeit entstanden die Grundschule, das Grunewald-Gymnasium und das Bismarck-Lyceum. Die Grunewaldkirche wurde gebaut, Verträge über die Stromversorgung der Kolonie geschlossen und neue Straßenbahn- und Buslinien in die Innenstadt eröffnet.
Wiecks Verdienste brachten ihm große Sympathien ein. "Wenn wir jetzt, tief bewegt, von dem teueren Mann Abschied nehmen, so können nur Empfindungen des Dankes die Herzen erfüllen, schloß Pfarrer Priebe seine Trauerrede. Die Geschichte seiner letzten 21 Lebensjahre, die er in unserer Mitte gewohnt hat, ist unlöslich in die Geschichte Grunewalds verwebt. Wer diese Geschichte schreiben will, muß den Namen Wieck auf jeder Seite schreiben." (Grunewaldecho 31.8.1913)
Bernhard Wieck wurde in einem Wandgrab, das an die Giebelfront eines antiken Tempels erinnert, bestattet.(Markus Steffens)
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