Heinrich von Treitschke
geb. 15.09. 1834 (Dresden)
gest. 28.04. 1896 (Berlin)
Historiker, politischer Publizist
Ehrengrab
Alter St. Matthäus-Kirchhof, Q-o-16
Objektivität in der Geschichtsschreibung lehnte Heinrich von Treitschke ab. Er stellte seine historische Arbeit in den Dienst seiner politischen Ziele, die zunächst noch liberal, später jedoch äußerst konservativ waren.
Treitschke, der einer Offiziersfamilie entstammte, wurde 1863 Professor für Staatswissenschaften und drei Jahre später Professor für Geschichte. Im Jahre 1874 erhielt er den Ruf an die Universität Berlin, den er, der die Hungerlöhne der Arbeiter als durchaus gerecht empfand, erst annahm, als ihm neben den nicht geringen Hörergebühren der Studenten zwölftausend statt neuntausend Mark Gehalt geboten wurden.
Seit 1858 schrieb Treitschke in den "Preußischen Jahrbüchern". Zu jener Zeit vertrat er mit den Forderungen nach persönlicher Freiheit und Rechtsstaatlichkeit noch liberale Prinzipien, lehnte aber gleichzeitig demokratische Volksvertretungen ab. Seinen historisch-staatswissenschaftlichen Arbeiten dieser Zeit lag das politische Ziel der nationalen Einigung Deutschlands unter Führung Preußens zugrunde. Er bekämpfte Bismarck, als dieser im preußischen Verfassungskonflikt gegen Verfassung und Landtag regierte. Später rechtfertigte er das Vorgehen Bismarcks, weil er selber ein Vertreter des Machtstaates geworden war.
Von 1871 bis 1884 war Treitschke Mitglied des Reichstages, bis 1879 als Angehöriger der nationalliberalen Partei, später parteilos. Im Verlaufe der siebziger Jahre wurde er immer konservativer, er bekämpfte vehement die Sozialdemokratie und den Sozialismus. Anfang der achtziger Jahre wurde er zu einem erbitterten Antisemiten, später verfocht er eine imperialistische Weltmachtpolitik.
Von diesen politischen Ansichten ist auch sein Hauptwerk, die journalistisch einprägsam geschriebene Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, durchdrungen.
Als Leopold von Ranke 1886 starb, wurde Treitschke als sein Nachfolger zum offiziellen "Historiographen des preußischen Staates" ernannt.
Treitschke überzeugte durch seine fundierten historischen Kenntnisse und durch seine Fähigkeit, Zusammenhänge klar und lebendig darzustellen. Dadurch konnte er großen Einfluß auf die deutschen Historiker und die Führungsschicht der Wilhelminischen Ära gewinnen. Die Studenten drängten sich in seine Vorlesungen, doch Frauen duldete er dort nicht.
Werkauswahl:
- Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, 5 Bände, Berlin ab 1879
- Der Socialismus und seine Gönner, Berlin 1875
- Ein Wort über unser Judentum, Berlin 1880
(Hildegund Wolff)
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